Hinweis

essen

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war es so leicht, uns mit Essen und Trinken höchsten Genuss zu verschaffen. Ein riesiges Lebensmittelangebot preiswerter und internationaler Esswaren lässt keinen Wunsch offen. Leider nur: nicht alles, was gut schmeckt, steigert auch unsere Leistung. Nicht alles was gut schmeckt, bringt Körper und Seele in Harmonie. Nicht alles was gut schmeckt, bringt uns voran auf dem Budo-Weg mit seiner ehrenvollen Geisteshaltung.

Körperlicher Aspekt

Wir essen zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig und zu ballaststoffarm. In Deutschland kostet die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten jährlich 75 Milliarden Euro, von den fehlernährungsbedingten Todesfällen ganz zu schweigen. Der durchschnittliche Fettverbrauch liegt in Deutschland mit 130g Fett pro Tag doppelt so hoch, wie er nach Meinung von Fachleuten sein sollte.
Für Fitness- und Sporttraining empfiehlt sich eine intelligentere Versorgung des Körpers: eine Kost, die kohlenhydrat-, vitalstoff- und ballaststoffreich ist. Wertvolle Nahrungsmittel für Sportler sind solche, die reichlich Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Zu den wertvollsten Nahrungsmitteln zählen vor allem Pflanzen und pflanzliche Lebensmittel. Sie sind reich an hochwertigen Kohlenhydraten und Spurenelementen, und enthalten wenig Fett und Cholesterin. Nur Pflanzennahrung enthält die für Verdauung und Entgiftung so wichtigen Ballaststoffe.
Ein hochwertiges Sportlermahl besteht beispielsweise aus Nudeln, Kartoffeln, Brot mit Gemüse und Rohkostsalaten. Bei Sportlern wirkt ein hoher Fettkonsum leistungssenkend. Für eine Steigerung des Leistungsvermögens empfehlen sich hochwertige Kohlenhydrate als Brennstoff, wie sie in Obst, Gemüse, Vollkornbrot, Kartoffeln und Hülsenfrüchten enthalten sind. Wer seinen Eiweißbedarf mit Linsen, Bohnen, Soja (Tofu etc.) und Getreide deckt, braucht keine Angst vor Eiweißmangel zu haben. So ist fettarmes Essen kein Problem und die Muskeln bekommen genügend Baumaterial.
Nach Expertenmeinung ist Wasser das wichtigste Lebensmittel. Hunger ist oft ein Zeichen für Flüssigkeitsmangel. Beim Sport sollte der Flüssigkeitsverlust nicht erst nach, sondern schon vor der Aktivität und während der Pausen ausgeglichen werden. Apfelschorle und Wasser sind optimal geeignet. Eine reichlich wasserhaltige Ernährung mit Obst, rohem Gemüse und Suppen beeinflusst den Wasserhaushalt des Körpers positiv. Generell wird mit einer rohkostreichen Nahrung die Immunabwehr des Körpers durch Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe stabilisiert. In den USA sagt man treffend: an apple a day keeps the doctor away.
Für die Steigerung der Fitness ist es gut, auf Zucker, Süßigkeiten und helle Brote möglichst oft zu verzichten. Sie liefern zuviel Energie und rauben dem Körper wichtige Mineralien, sind also so genannte leere Kalorien. In den USA ist es verboten, Zucker oder Weißmehl als "natürliches Lebensmittel" anzupreisen. Bei ihrer Herstellung werden nämlich Vitamine und Mineralien entfernt.

Seelischer Aspekt

Auf der seelischen Ebene lehren die asiatischen Kampfkünste den Kämpfer sowohl mitfühlend, als auch leidenschaftslos zu handeln. Ziel jeder „Budo-Schulung“ ist es, in jeder Situation angemessen zu reagieren und möglichst den Kampf zu vermeiden. Im Schwertkampf ist der ideale Schwertkämpfer nicht derjenige, der tötet, sondern derjenige, der das Leben achtet. Der berühmte Minamoto Musashi ließ in seiner Jugend sein verbeultes Schwert reinigen und schleifen. Bei seinem Schmied sah er ein Schwert eines anderen Samurai, das völlig makellos war. Musashi wunderte sich sehr darüber, dass eine unbenutzte Waffe einem wirklich großen Schwertkämpfer gehören sollte. Später erkannte er, dass die bloße Anwesenheit eines großen Samurai genügte, um Gewalt zu vermeiden.

Viele Asiaten sind sich der Buddha-Natur ihres Gegenübers ständig bewusst. Jeder Mensch und jedes Tier werden von ihnen respektiert wie ein Verwandter. Tiere zu töten und zu essen, kommt mit dieser Geisteshaltung nicht in Frage. Zahlreiche Budokas auf der ganzen Welt essen eine gesunde, vegetarische Kost, um mit sich selbst und anderen Wesen achtsam, liebevoll und respektvoll umzugehen. Die Achtsamkeit bei der Auswahl des Essens leitet den Weg zu Frieden und Harmonie ein. In Asien wird vor dem Essen das Mahl allen Buddhas geweiht, um Körper und Seele zu ernähren und der Erleuchtung entgegenzugehen. Erleuchtung soll bedeuten, vom Zyklus der Geburten und der Tode frei zu werden.

Aber nicht nur in Asien, sondern auch in Europa gab es zu allen Zeiten Vordenker der seelischen Erneuerung. Arthur Schopenhauer, der Philosoph, prägte den Satz:
"Es ist an der Zeit, dass das ewige Wesen, welches in uns, auch in allen Tieren lebt, als solches erkannt, geschont und geachtet wird."

Tägliche Praxis

Schon oft wurde mir in Ernährungsseminaren im Deutschen Sportbund die Frage gestellt: "Was bleibt denn noch zu essen übrig?" Meine Antwort: das Repertoire der Pflanzenküche ist riesig.
Ein paar Faustregeln für jeden Tag gebe ich gerne.
Reichlich essen: Gemüse, Obst, Keimlinge, Salate und milchsauer Vergorenes (Sauerkraut, Miso, milchsaures Gemüse).
Maßvoll essen: Getreide (Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Müsli ...), Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Soja ...), Nüsse und Samen, kaltgepresste Öle.
Selten essen: Zucker, Weißmehl, Genussmittel, Fleisch, Chemikalien.

Für alle, denen diese Tipps noch nicht konkret genug sind, habe ich auf Bitten der Seminarteilnehmer ein Kochbuch* für die tägliche Praxis geschrieben. Es enthält eine Fülle von Rezept-Ideen für Salate, Suppen, Brotaufstriche, Hauptgerichte, Soßen, Brote, Kuchen und Desserts.

von Herta Gal - Autorin des Buches:
Das große Kochbuch der vegetarischen Köstlichkeiten